Liberalismus ist die beste Antwort auf Corona

Statue of Liberty

Die globale Pandemie bedroht unsere Freiheit. Eine Rückkehr zum business as usual wird es nicht geben. Aber jetzt kann der Liberalismus seine wahre Stärke ausspielen: Lernfähigkeit für Lebenschancen. Alles kann besser werden!

Der neue Virus SARS-CoV-2 löst existenzielle Angst und Stress aus. Wie bei früheren Plagen überwältigt eine willkürliche Kraft der Natur schutzlose Menschen. Die unheimliche, noch wenig verstandene Lotterie der Erkrankung COVID-19 macht manche Menschen zu ahnungslosen Spediteuren der Ausbreitung. Andere werden von heute auf morgen von Autoren des eigenen Lebens zu Patienten im Todeskampf. Das Virus vereint uns Menschen weltweit in der Angst um unsere Lieben, in Leid und Verlust und in der Einsicht in die eigene Verletzlichkeit und gegenseitige Abhängigkeit.

Besinnen wir uns auf unsere Freiheit zu Vernunft und Verantwortung

SARS-CoV-2 ist eine Naturkatastrophe. Ob die Pandemie aber zur gesellschaftlichen Katastrophe wird, liegt alleine an unserer Reaktion. Zunächst stellt sie die Gewohnheiten unseres freiheitlichen Zusammenlebens in Frage: Geselligkeit mit Familie und Freunden kann Leben kosten. Der gewöhnlich bedenkenlose Gebrauch fundamentaler bürgerlicher Freiheiten wie der Reise- oder Versammlungsfreiheit gibt auch dem Virus freie Bahn. Seine Wucht bedroht das Versprechen freiheitlicher Gesellschaften, für jeden Menschen Lebenschancen auf ein in Würde selbstbestimmtes menschliches Leben und Sterben zu gewährleisten.

Aber wir besinnen uns auf unsere existenzielle Freiheit, auf diese Naturkatastrophe abgewogen reagieren zu können. Wenn wir diese Freiheit verantwortlich nutzen, lernen wir auch und gerade in der Krise, wie wir persönliche, wirtschaftliche und politische Selbstbestimmung am besten gewährleisten können. Freiheitliches Zusammenleben ist die partnerschaftliche Leistung aller Akteure und Sektoren unserer Gesellschaft, miteinander und füreinander Lebenschancen zu schaffen, zu schützen und zu pflegen. Die liberale Gesinnung heißt Verantwortung.

Liberale Systeme sind lernende Systeme

In einer sich verändernden Welt erfordern Lebenschancen für jeden die partnerschaftlichen Lernprozesse aller. Darum haben wir Liberale gute Gründe für Optimismus. Denn unsere liberale Demokratie, unsere soziale Marktwirtschaft, unsere Wissenschaft sind lernende Systeme. Sie reagieren auf Herausforderungen flexibel, innovativ und bedarfsorientiert, getrieben von Kritik, Kreativität und Korrektur, Versuch und Irrtum, Experiment und Einsicht. Mit Freude und Stolz sehen wir, mit welch großartigen Initiativen Nachbarn, Vereine, Unternehmen, Hochschulen, Verwaltungen, Krankenhäuser und Medien auf die Krise reagieren, wie junge Menschen ihren Dienst in der Krise anbieten, wie gute Ideen sich herumsprechen, Nachahmung finden und unser selbstbestimmtes Miteinander und Füreinander stärken. Die liberale Bürgerschaft besteht ihren Charaktertest. Das ist die Verantwortung, die wir mit der Freiheit meinen.

Auch wenn wir in Antwort auf SARS-CoV-2 den Kurs unserer liberalen Republik neu programmieren müssen: Die universalen Hoffnungen, Errungenschaften und Einsichten des Liberalismus bieten auch in der Krise den besten Kompass selbstbestimmten Lebens und Lernens, der Anpassung und Weiterentwicklung. Für uns Liberale heißt liberale Demokratie, die Chancen jedes Einzelnen auf ein selbstbestimmtes Leben (und Sterben) in Würde zu gewährleisten. Vor, in und nach der Krise schützen wir Lebenschancen durch Freiheitsrechte, schaffen Lebenschancen durch Infrastruktur und Investitionen, pflegen wir Lebenschancen durch eine Kultur freiheitlicher Verantwortung.

Lernen für Lebenschancen macht frei

Dieses liberale Programm ist bewährt. Es restauriert aber gerade nicht bisherige Verhältnisse, sondern treibt Reformen und Modernisierung voran. Wir leben nie in der besten aller Welten. Auch die bisherige Praxis freiheitlichen Zusammenlebens hatte ihre Fehler und blinden Flecken. Eine Rückkehr zu „business as usual“ kann es nicht geben.

Sondern wir müssen aus den Versäumnissen vor der Corona-Krise, aus den von ihr verschärften Ungerechtigkeiten und aus den Fehlern in der Krise lernen. In einer Welt, die sich verändert, ist Lernfähigkeit der Garant der Freiheit.

Unsere Aufgabe bleibt, bessere Lebenschancen für mehr Menschen schaffen. Das gelingt, wenn wir jetzt die Bürgerrechte stärken, die liberale Demokratie als lernendes System neu entdecken, digitale Innovationen nutzen, das Bildungssystem neu ausrichten, in öffentliche Infrastrukturen und Wachstumsbranchen investieren, wirtschaftliche Mitverantwortung normalisieren und die multilaterale Zusammenarbeit ausweiten.

About Christopher Gohl

Christopher Gohl forscht und lehrt seit 2012 am Weltethos-Institut an der Uni Tübingen zur Entstehung und Wirkung von Werten, zur lernenden Demokratie und zur pragmatistischen Wirtschaftsethik. Zwischen 2005 bis 2010 arbeitete der ausgebildete Mediator als Projektleiter für das Regionale Dialogforum Flughafen Frankfurt, Deutschlands größter Infrastruktur-Mediation, für die Initiative "Wissenschaft im Dialog" und für die Stadt Mannheim zum Leitbild der Bürgerstadt, der Evaluation des Quartiermanagements und dem Stadtbahnausbau. Er promovierte 2011 im Fachbereich Politischer Theorie der Uni Potsdam zur professionellen Gestaltung von politischen Beteiligungsverfahren, wofür er den Stiftungspreis der Demokratie-Stiftung der Universität zu Köln erhielt. Seit 2010 engagiert sich der dreifache Vater in verschiedenen Funktionen professionell und ehrenamtlich für Reformen der innerparteilichen Demokratie und für Demokratiepolitik.

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