Die AfD attackert die Liberale Demokratie systematisch – aber Demokratinnen und Demokraten unterschiedlicher Couleur haben noch keine systematische Antwort auf die AfD gefunden. Mit den folgenden Thesen und Posts will ich eine konstruktive Debatte über die wirksame Strategien gegen den Rechtsextremismus der AfD anstoßen:
- Thesen zum Kulturkampf der AfD gegen die Liberale Demokratie und seine autoritäre Drift
- Wie die AfD zentrale Leistungen der liberalen Demokratie systematisch schwächt
- Zur Vielfalt der Strategien der demokratischen Mitte im Umgang mit der AfD
Widerspruch ist erwünscht!
Die liberale Demokratie ist nicht perfekt – aber sie ist die einzige Staatsform, die die fundamentalen Probleme menschlichen Zusammenlebens friedlich und gerecht bearbeiten kann. Sie kanalisiert moralische Gefühle, gewährt Anerkennung, bändigt Macht, schützt Pluralismus, ermöglicht Gerechtigkeit, erzeugt Wissen und gestaltet Wandel lernend. Genau deshalb ist sie so wertvoll – und genau deshalb greift die AfD sie an. Ihre Strategie ist nicht nur eine politische Opposition, sondern ein systematisches Projekt zur Schwächung der Problemlösungsfähigkeit der Demokratie. – Die folgenden sieben Thesen beziehen sich zugleich auf die 15 Thesen zum Kulturkampf der AfD gegen die Liberale Demokratie und seine autoritäre Drift.
These 1: Demokratie kultiviert moralische Gefühle – die AfD pervertiert sie
In einer Demokratie werden Empörung, Angst und Zorn in geregelte Bahnen gelenkt – etwa durch Wahlen oder Reformen. Die AfD hingegen lebt von der destruktiven Mobilisierung dieser Gefühle: Mit Polarisierung und Bedrohungsszenarien (These 10) sowie Opfer- und Feindbildern (These 7) verwandelt sie Zorn in Hass und Angst in Ressentiment. Sie verhindert, dass moralische Energie in konstruktive Lösungen fließt.
These 2: Demokratie bietet Anerkennung – die AfD verweigert sie
Demokratie stillt den Drang nach Würde und Status, indem sie allen eine Stimme gibt und Zugehörigkeit unabhängig von Herkunft oder Lebensweise garantiert. Die AfD bricht dieses Versprechen. Mit Geschichtsrevisionismus (These 4) und der Forderung nach Remigration (These 5) verweigert sie Anerkennung und reduziert Zugehörigkeit auf eine ethnisch definierte „Volksgemeinschaft“. Menschen, die dazugehören wollen, werden entwürdigt und ausgeschlossen.
These 3: Demokratie bändigt Macht – die AfD untergräbt sie
Liberale Demokratie lebt von Gewaltenteilung, Transparenz und Rechenschaft. Die AfD unterminiert dieses System, indem sie Institutionen delegitimiert und zugleich legalistisch unterwandert (These 6). Sie korrumpiert die Konkurrenz (These 8), indem sie andere Parteien in ihre Spielregeln zwingt. Demokratie wird so nicht gestärkt, sondern schrittweise in eine leere Fassade verwandelt, die den Anschein wahrt, während autoritäre Praktiken Einzug halten.
These 4: Demokratie schützt Pluralismus – die AfD zerstört ihn
In einer Demokratie leben unterschiedliche Wahrheiten friedlich nebeneinander, geschützt durch Grundrechte und Verfahren. Die AfD arbeitet auf kulturelle Monokultur hin. Mit Agenda-Setting und Metapolitik (These 9) setzt sie die Themen, die verhandelt werden dürfen. Mit digitaler Hegemonie (These 2) verengt sie den Diskursraum. Mit regionaler Landnahme (These 14) versucht sie, ganze Räume pluralistischer Praxis durch autoritäre Strukturen zu ersetzen.
These 5: Demokratie schafft Gerechtigkeit – die AfD blockiert sie
Demokratie lebt vom Versprechen fairer Chancen. Sie schafft Verfahren, um soziale Konflikte produktiv auszutragen. Die AfD dagegen instrumentalisiert soziale Ängste: Mit ihrer ökonomischen Angstpolitik (These 11) lenkt sie materielle Sorgen nicht in Gerechtigkeitsdiskurse, sondern in kulturelle Ressentiments. So wird aus Ungleichheit keine gemeinsame politische Aufgabe, sondern ein Spaltkeil.
These 6: Demokratie erzeugt Wissen – die AfD ersetzt es durch Desinformation
Komplexe Gesellschaften brauchen deliberative Wissensproduktion. Demokratie sammelt Perspektiven, prüft und korrigiert. Die AfD betreibt das Gegenteil: Mit Fake-Accounts, KI-Content und Ambivalenz (Thesen 2 und 3) schafft sie Verwirrung statt Orientierung. Mit internationalen Netzwerken (These 12) verbreitet sie Propaganda im Verbund autoritärer Kräfte. Mit intellektueller Hegemonie der Neuen Rechten (These 15) produziert sie ideologische Legitimität für autoritäre Thesen. Wissen wird systematisch durch Ideologie ersetzt.
These 7: Demokratie gestaltet Wandel – die AfD blockiert ihn
Demokratie ist lernfähig: Sie balanciert Erneuerung und Bewahrung, ermöglicht reversible Reformen und korrigierbare Politik. Die AfD hingegen inszeniert jeden Wandel als Untergang. Mit existenzialisierten Bedrohungsszenarien (These 10) und Generationssozialisation (These 13) blockiert sie die Fähigkeit, Zukunft als gemeinsame Aufgabe zu gestalten. Mit regionaler Landnahme (These 14) ersetzt sie demokratische Lernprozesse durch autoritäre Erstarrung.
Vorläufiges Fazit
Die liberale Demokratie ist eine Antwort auf fundamentale Probleme menschlichen Zusammenlebens. Die AfD hingegen arbeitet systematisch daran, diese Problemlösungsfähigkeit zu schwächen: Sie missbraucht Gefühle, verweigert Anerkennung, untergräbt Machtkontrolle, zerstört Pluralismus, instrumentalisiert Gerechtigkeit, ersetzt Wissen durch Ideologie und blockiert Wandel. Damit zielt sie nicht auf Korrektur oder Reform, sondern auf die Transformation der Demokratie in eine illiberale Ordnung.

